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Max von Gumppenberg & Patrick Bienert . Fashion Art . Vogue Deutsch //

Die neue Mai-Ausgabe der deutschen Vogue liegt am Kiosk und selten entweicht mir beim Blättern ein “Wow”, doch hier war es der Fall. Was das Fotografen-Duo Max von Gumppenberg & Patrick Bienert hier auf die Seiten gezaubert hat, ist tatsächlich nicht die Norm. Obgleich wenig aufgeregt und provokativ, zieht mich die Bildwelt unweigerlich in ihren Bann. Ich kann gar nicht genau sagen, was es ist. Ich vermute, das Zusammenspiel von Farben, Location, Model und natürlich Mode ist einfach so stimmig, dass mir nichts anderes übrig blieb, als sofort zur Tastatur zu greifen, um diesen Beitrag zu schreiben.

Von Gumppenberg und Bienert arbeiten nun seit 2007 als Duo zusammen, stammen beide aus München und pendeln zwischen New York und Berlin. Mit Top-Model Luca Gadjus hat Max von Gumppenberg einen Sohn und eine Tochter, sie leben in New York. Er assistierte vor seiner Karriere mit Patrick Bienert internationalen Größen wie Mario Testino und Steven Klein. Keine schlechten Voraussetzungen. Wundert daher auch nicht, dass die deutsche Vogue zu einem festen Auftraggeber der beiden Fotografen gehört.

Inszeniert wurde diese Strecke, die “Fashion Art” betitelt ist, im Musée Bourdelle in Paris, das das Studio des Bildhauers Antoine Bourdelle (1929 verstorben) enthält sowie seine persönliche Sammlung an Kunst. Muss ein beeindruckender Ort sein, den man sich für den nächsten Besuch an der Seine gerne notieren darf: www.bourdelle.paris.fr.

Die Website von Max von Gumppenberg & Patrick Bienert ist folgende: www.02gb.com.

Neues im Fundbureau . Mathias Sterner . Untitled Ongoing Project //

Nach einer Woche Pause fühle ich mich nicht nur erholter, vielmehr auch mit neuen Ideen gesegnet. Es war Zeit, darüber nachzudenken, was an dieser Stelle demnächst passieren könnte. Dabei bin ich immer dankbar über Anregungen, denn oft treffen sie, was mich selbst schon im Innern beschäftigt hat.

Um meine Blog-Routine, die meist der knappen Zeit geschuldet ist und sich aufs Finden und Präsentieren aktueller fotografischer Arbeiten beschränkt, etwas aufzubrechen, habe ich beschlossen, eine neue Serie an Beiträgen einzuführen –”Sucher” betitelt oder zu Englisch “Viewfinder”, ein in vielerlei Hinsicht passender Titel, denke ich. Denn gehen soll es um jene Meister der Fotografie, die teilweise bekannter, teilweise weniger bekannt in der breiten Öffentlichkeit, in hohem Maße andere inspiriert haben und fortwährend inspirieren. Sie waren Pioniere, Eigenbrötler, stille Beobachter und schillernde Figuren. Viele sind nicht mehr unter den Lebenden, doch ihr Erbe, ihr Vermächtnis lebt weiter. Es ist nie verkehrt, sich anzuschauen, was war, um mit dieser Grundlage und eigenen Ideen Neues zu erschaffen. In diesem Sinne werde ich ab und an künftig einen solchen “Sucher”-Beitrag fürs Fundbureau zusammenstellen. Auch für mich eine spannende Aufgabe.

Neben dieser neuen Beitragsserie wird’s demnächst auch Neues von mir geben. Zum einen etwas Großes, ein Buch, wofür erste Fotos bereits im Juni letzten Jahres entstanden. Und dann vermutlich wieder ein paar Eindrücke von unterwegs – ich war ja die vergangene Woche nicht ganz untätig.

In Vorbereitung all dessen, also rein visuell, sind oben ein paar aktuelle Fotografien von Mathias Sterner zu sehen, die einem “Untitled Ongoing Project” entstammen. Mehr weiß ich leider nicht. Mehr muss man auch nicht wissen, um sich in die gewohnt düstere Bildwelt des Schweden fallen zu lassen. Sein Portfolio ist folgendes: www.mathiassterner.com.

Chris Colls . Sky Ferreira . Interview Magazine //

Ich habe mich hinreißen lassen – und das mag eine Seltenheit sein – aus einer Ausgabe zwei Strecken hintereinander zu bringen. Aber es lohnt sich. Die Ausgabe von der die Rede ist, ist die aktuelle April-Ausgabe des Interview Magazine. Und nach Johnny Depp sind diese Aufnahmen des Australiers Chris Colls von der US-amerikanischen Sängerin Sky Ferreira mindestens ebenso sehenswert. Miss Ferreira legte vor einigen Monaten ihr erstes Album “Night Time, My Time” vor, das schon, ohne es gehört zu haben, durch ein mutiges und stilvolles Cover auffiel. Sie setzt sich etwas ab von den anderen weiblichen Pop-Stars aus Übersee – jenen Lady Gagas, Katy Perrys und wie sie alle heißen – und gilt als Enfant Terrible, das sich gleichermaßen provokativ von Terry Richardson ablichten lässt wie sinnlich und geschmackvoll hier von Chris Colls. Eine spannende Mischung, gewiss. Bei Wikipedia kann man lesen, dass sie schon mit 14 Jahren entdeckt wurde. Doch ich bin sicher, dass man noch viel erwarten darf und hören wird von dieser Dame. Soweit dazu. Chris Colls wird vertreten von Serlin Associates, sein Portfolio findet ihr hier. Es gibt zu den Fotos natürlich auch ein Interview, welches sich hier findet.

Ich gönne mir jetzt erstmal einen Tee und dann eine Woche Pause vom Fundbureau. Man liest sich danach! Schönes Wochenende!

Bruce Weber . Johnny Depp . Interview Magazine //

Lässig, humorvoll, nachdenklich und ganz der Kunst verpflichtet – im Laufe seiner Karriere hat er viele Stationen hinter sich gelassen, auch die des Captain Jack Sparrow in der “Fluch der Karibik”-Reihe. Im April startet hierzulande sein aktueller Film “Transcendence”, in dem er einen Wissenschaftler mimt, der auf der Suche nach künstlicher Intelligenz selbst zu einer solchen wird: Sein Gehirn wird Teil eines Megacomputers, der fühlen kann wie Menschen. Dass diese Sensation nicht nur ihre guten, sondern überaus bedrohliche Seiten haben kann, wird schon deutlich, wenn man den Trailer schaut.

Pünktlich zum Kinostart würdigt ihn das Interview Magazine mit einem Cover, das der neuen April-Ausgabe, und einer Strecke, die niemand besser inszenieren könnte als Bruce Weber. Komplett in Schwarz/Weiß zelebriert Depp seine vielen Gesichter, spielt mit seinem Image als Womanizer, Querkopf, Komödiant und Künstler. In ihrer Schlichtheit und Eleganz gefallen mit Webers Aufnahmen hervorragend. Auch das zugehörige Gespräch, welches übrigens Iggy Pop mit Depp per Telefon führte, ist lesenswert. Interesse? Hier geht’s lang. Und Webers Portfolio dürfte fleißigen Fundbureau-Lesern eh bekannt sein: www.bruceweber.com. Ansonsten sieht man sich dann im Kino, gel?

Lottermann & Fuentes . “Ping Pong” //

Gerade diese Woche auf interview.de gelesen über diese Ausstellung des Frankfurter Fotografinnen-Duos Lottermann & Fuentes, die am 22. März im Bold Room in Los Angeles eröffnet wurde. Den Briefwechsel als Mittel des Austausches gibt es bekanntlich schon lange – viele große Dichter und Denker pflegten solche, nicht zuletzt weil Kommunikation seinerzeit beschwerlicher war als heutzutage, wo eine Email oder Whatsapp-Nachricht binnen Bruchteilen einer Sekunde um die Welt geht. Sind diese elektronischen Nachrichten eher eine Sache des Moments, schnell verfasst zumeist, so erforderte der Briefwechsel mehr Arbeit, mehr Zeit. Was niedergeschrieben wurde, war sorgfältig erdacht und in wohl gewählte Worte verpackt.

Eine Art Briefwechsel, wenn auch ohne Worte, ist es, was Nada Lottermann und Vanessa Fuentes, die nicht nur gemeinsam aufgewachsen sind, sondern auch zusammen kreativ vor allem im Bereich Mode kollaborieren in immer neuen Projekten, hier angestrebt haben. Ohne zu wissen, ob es klappt, schickten sie an vorher sorgfältig ausgewählte Fotografinnen und Fotografen, die sie z.T. nie gesprochen hatten, Aufnahmen aus ihrem Portfolio mit der Bitte um eine fotografische Antwort. Und tatsächlich: die Antworten kamen. Das Projekt wurde “Ping Pong” betitelt. Und so ist in der Ausstellung ein Who is Who der fotografischen Gegenwartsavantgarde vertreten. Wer herausfinden will, auf welches Foto das oberste hier gezeigte antwortet, dem sei der Artikel auf interview.de empfohlen. Abschließend mal kurz die Credits, wobei links immer die Vorlage von Lottermann & Fuentes und rechts daneben die Antwort folgender Kamerakünstlerinnen und -künstler steht: Ganz oben Frank Seidlitz, 2. Reihe Markus Jans, 3. Reihe Frederike Helwig, 4. Reihe Juergen Teller, unten Kristin Loschert.

Das Portfolio von Nada und Vanessa findet ihr hier: www.lottermannfuentes.com. Und wer sehen möchte, wie Nada in Frankfurt wohnt, bei freundvonfreunden erschien dieses Portrait.

Helena Christensen . “A Private Moment” . Rika Magazine //

Ich musste mich erst kürzlich selbst erinnern, dass ich unbedingt noch ein paar wohl klingende Worte zum neuen Rika Magazine an dieser Stelle verlieren wollte. Et voilà: Da sind sie. Schon mittendrin im Lobgesang auf diese mittlerweile zehnte Ausgabe. Dass Ulrika Lundgren mit ihrem Label ihren ganz eigenen Weg geht, sieht man nicht nur der Mode, sondern auch dem Heft an. Viel Liebe bis ins Detail. Und dennoch bleibt man sich treu. Und besonders den Musen des Hauses – einer illustren Schar starker, unabhängiger und kreativer Frauen – bereitet man allzu gerne die Bühne, um das Rika-Gefühl zu transportieren. Denn wer vermag dies besser als jene, die sich in der Kleidung wohl fühlen, überdies genug Bekanntheit besitzen, um Strahlkraft nach außen zu garantieren.

Für diese zehnte Nummer gewähren angesprochene Musen – darunter Liv Tyler, Oh Land, Julia Roitfeld, Linda Rodin, Caroline de Maigret, Lizzy Jagger u.a. – einen Einblick in ihr ganz privates Reich, zeigen Helena Christensen, die hinter der Kamera stand, ihren “private moment”, so auch der Titel der Serie. Als Basis dient das Classic Viper Shirt von Rika, das jede der Frauen auf ihre Art interpretiert. Um Mode soll’s ja am Ende gehen, nicht? Und um die Kunst wunderbar intimer und sympathischer Aufnahmen, die jemand wie Helena Christensen, dieses vielseitig talentierte, ehemalige, dänische Topmodel perfekt beherrscht. Nichts wie zum Kiosk also! Und ach ja, es gibt übrigens auch zehn verschiedene Cover. Es dürfte sich entsprechend etwas schwer tun, obiges Cover mit Liv Tyler, was ich für außerordentlich gut halte, zu erwischen. Mehr Infos über das Rika Magazine erhaltet ihr hier.

Bryan Adams . Malgosia Bela . ZOO Magazine //

Was man so mit einem Topmodel und einer transparenten Plane machen kann, zeigt eindrucksvoll Bryan Adams in einem seiner Beiträge für die neue Frühjahrsausgabe des ZOO Magazine. Vor der Kamera stand Malgosia Bela. Das im polnischen Krakau geborene Model ist seit sehr vielen Jahren erfolgreich im Geschäft, lebt in Paris, hat mit (fast) allen großen Fotografen zusammengearbeitet. Nun also auch mit Bryan Adams, mit dem sie zuvor für Opel kunstvolle Bilder mit dem neuen ADAM realisierte. Wer etwas mehr über diese nicht nur schöne, sondern auch schlaue Frau erfahren möchte, kann hier ein Interview auf ZEIT ONLINE lesen, das im Februar erschienen ist. Wer mehr Aktuelles von Bryan Adams sehen will, der besorgt sich entweder das ZOO Magazine am Kiosk oder schaut auf seinem Portfolio vorbei, das eine Zeit lang tatsächlich nicht mehr online war, aber mittlerweile wieder neu gelauncht wurde, nur dass die alten Sachen leider fehlen: www.bryanadamsphotography.com.

Olivia Frølich . Triumph by Helena Christensen S/S 2014 //

Es gibt wenige Menschen, die großes Talent und ewige Schönheit so vereinen wie Helena Christensen. Nach ihrer beispiellosen Model-Karriere – und da steht sie ihren früheren Kolleginnen wie Claudia Schiffer z.B. in nichts nach – war lange noch nicht Schluss, nur der Fokus der Arbeit verschob sich. Vor der Kamera stand sie seitdem nur für ausgewählte Projekte und Fotografen, hinter der Kamera dafür umso öfter. Und als Modedesignerin präsentiert sie für den Unterwäschehersteller Triumph nun ihre mittlerweile dritte Kollektion für Frühjahr/Sommer 2014. Dass sie in ihren eigenen Dessous posiert für eine gute Freundin, die dänische Fotografin Olivia Frølich, dürfte keine Überraschung sein. Die Sinnlichkeit dieser Aufnahmen hingegen ist atemberaubend. Und über den Körper der heute 45-jährigen muss man keine Worte mehr verlieren. Entstanden schon im August vergangenen Jahres im und um Helenas Strandhaus in Dänemark, kündet Olivias Bildsprache von Reduktion, Naturverbundenheit und einer Kraft, die sich aus der Stille schöpft. Irgendwo stand geschrieben, dass ein nahendes Gewitter an jenem Tag des Shootings ein steter Begleiter war. Wer’s weiß, der mag die Gewitterluft auch durch diese Aufnahmen hindurch spüren. Wer’s nicht weiß, der darf still genießen. Das Portfolio von Olivia Frølich gibt es hier: www.oliviafrolich.dk.

Tim Walker . “Like a Warrior” . Vogue Italia //

Die März-Ausgabe der Vogue Italia ist wieder ein wahres Pfund. Doch wer das Gewicht bewältigt, den erwartet nicht nur eine gewohnt opulent bebilderte und inspirierende Reise durch die Höhen der Mode im normalen Heft, sondern auch die “Alta Moda”-Beilage als zusätzliches Goodie. Ich finde es nach wie vor beeindruckend, mit wie viel Liebe jedes Editorial produziert wird und dass man auch vor sehr künstlerischen, freien und kostspieligen Ideen nicht zurückschreckt. Eine ideale Plattform nicht nur für Modemacher, deren Kreationen ja von der Inszenierung leben, denn durch diese erst erwachen jene zum Leben. Auch für eine ganze Reihe renommierter Fotografinnen und Fotografen ist die Vogue Italia eine Spielwiese, auf der sie ihre kühnen Visionen realisieren können. Und der Leser bekommt so am Ende etwas geboten, das einzigartig ist und von einer Welt der Mode kündet, die jenseits des Greifbaren liegt. Hier geht es im wahrsten Sinne um die oft beschworene Illusion. Und diese ist näher an der Kunst als am Alltag. Bewusst, versteht sich. Straßentaugliches sucht man bitte anderswo.

Jemand, der sich mit Inszenierungen auskennt und mit Illusionen, der gerne die regelmäßigen Einladungen der Vogue Italia annimmt, um seine unverkennbaren Projekte umzusetzen, ist Tim Walker. Für angesprochene aktuelle März-Ausgabe drehte er nicht nur den über 5-minütigen Super-8-Film “The Mechanical Man of the Moon”, sondern schuf obige Bildserie “Like a Warrior” im gleichen Atemzug. Wieder geht es um eine überdimensionale Kunstfigur, um einen Roboter, der sich beim genauen Betrachten als Marionette entpuppt. Wer diese lenkt, bleibt unklar. Dafür darf man eine Mariacarla Boscono bestaunen, die sich diesem mechanischen Männchen nähert, ihm Leben einhaucht, bevor sie ihn wieder verlassen muss, weil er seinen Platz auf dem Mond nicht verlassen kann. Traurig im Grunde, aber wunderschön fotografiert. Außerweltlich. Artifiziell. Und gerade dadurch entsteht eine befremdliche Atmosphäre der Verlorenheit, wie sie auf dem Mond durchaus denkbar wäre. Wer den Stummfilm bei Youtube sehen möchte, hier entlang bitte. Ansonsten gibt’s die Vogue Italia am Kiosk. Und an dieser Stelle demnächst bestimmt noch einen weiteren Auszug aus der Ausgabe.

Vincent Van De Wijngaard . Saskia De Brauw . AnOther //

Über den niederländischen Fotografen Vincent Van De Wijngaard habe ich in einem früheren Beitrag schon einmal geschrieben (nachzulesen hier). Nicht aber über seine künstlerische und private Beziehung zu Saskia De Brauw, die in vielen seiner Arbeiten eine Rolle spielt. Auch in dieser aktuellen Serie für die Frühjahr/Sommer-Ausgabe von AnOther.

Dass Fotograf und Model ein Paar sind, gibt es öfter. Nicht verwunderlich, dass solche Beziehungen sich auch in der kreativen Arbeit widerspiegeln. So haben beide schon etliche gemeinsame Projekte realisiert. Anders als die Mehrheit der Models entschied sich De Brauw erst spät dazu, diesen Karriereweg einzuschlagen. Trotz erster früher Modelerfahrung im Alter von 16 Jahren, kehrte sie nach einem Jahr im Geschäft der Branche den Rücken, um daheim in Amsterdam bildende Kunst zu studieren. Da es sich von Kunst alleine schwer leben lässt, ging sie nach ihrem Abschluss verschiedenen Aushilfstätigkeiten nach, jobbte als Kellnerin oder Babysitterin – bis eines Tages ein Treffen mit einem alten Freund aus dem Modegeschäft ihr verdeutlichte, dass es freilich nicht zu spät war, um als Model zu arbeiten. Und das Glück war mit ihr, der Typ Frau sehr gefragt seinerzeit und auch aktuell. Mittlerweile zierte sie Dutzende Cover und Kampagnen, war im Pirelli-Kalender zu bewundern und wurde mehrfach von Karl Lagerfeld abgelichtet. Was darf man mehr wollen? Doch neben dem Modeljob bleibt sie der Kunst gleichfalls zugewandt, hat u.a. ein eigenes Blog, das sie pflegt und wo eigene Fotografien und Texte erscheinen. All das gefällt mir sehr gut, weil es mal wieder zeigt, dass unter der Oberfläche, die wir sehen, ganz oft mehr steckt, als wir vermuten würden. Und dass hinter Fotografien oft eine Geschichte schlummert, die, wenn man sie denn kennt, nicht nur interessant sein, sondern die Betrachtung tatsächlich verändern kann.

Einige Jahre alt, aber dennoch lesenswert ist dieser Artikel über Saskia De Brauw im New York Magazine. Vincent Van De Wijngaard wird von Art+Commerce vertreten, sein Portfolio findet ihr hier.

Bruce Weber . Danny & Edita . M Le Monde //

Erstmal Glückwunsch an alle Oscar-Gewinner. Ich habe das Spektakel dieses Jahr nicht verfolgen können, aber selbstredend nachgelesen, dass es überaus unterhaltsam gewesen sein muss. Das Dilemma eines sehr starken Jahrgangs mit außergewöhnlich vielen Oscar-würdigen Filmen war schon im Vornherein absehbar: Es gibt schlicht zu wenige Oscars, um alle berücksichtigen zu können, die es verdient hätten. Schade, dass zwei herausragende Stücke Filmkunst – Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” und David O. Russells “American Hustle” – gänzlich leer ausgegangen sind. Aber auch hier bleibt die Academy sich treu und zieht den luftig schrägen, den humorvollen, den spaßbehafteten Filmen jene vor, die ernster daherkommen, die eine Moral parat haben oder den Pathos amerikanischer Geschichte und Ideale beschwören. Dass dieses Jahr mit Steve McQueens “12 Years A Slave” eine Produktion gewann, die eines der absolut finstersten Kapitel der amerikanischen Vergangenheit auf bisher ungesehene, schonungslose Weise thematisiert, kann man als Akt der Bewältigung verstehen. Und dass erstmalig ein schwarzer Regisseur gewann, mag verwundern, aber zeigt, dass Jahre nachdem ein Schwarzer Präsident geworden ist, auch die Academy im Hier und Jetzt angekommen scheint. Lieber spät als nie, sagt man ja so schön. Ansonsten gab’s erwartungsgemäß wenig Überraschungen. Alfonso Cuarón darf sich mit “Gravity” als Sieger des Abends preisen, wobei man über den Regie-Oscar streiten kann. Hier eine Geste Richtung Scorsese oder Russell wäre sicher gerechtfertigter gewesen. Nichts aussetzen kann man indes an den Darsteller-Oscars. Alle verdient. Ob Hollywood sich mit diesem Jahrgang selbst neu erfunden hat oder zu alter Stärke zurückgefunden, wird die Zukunft zeigen. Die schiere Dichte an echten Geschichten und wahren Schicksalen im Oscar-Rennen lässt vermuten, dass jenseits des Blockbuster- und Sequel-Kinos mehr Leben ist als in den vergangenen Jahren. Ein neuer Trend? Schön wäre es allemal.

Von den Oscars nun zu Bruce Weber, auch eine amerikanische Legende hinter der Kamera und ein begnadeter Geschichtenerzähler. Wenn er ruft, sagt niemand ab. Aufs Neue pflegt er seine Liebe zu ungleichen Paaren mit dieser Strecke für das französische M Le Monde Magazin beziehungsweise dessen Stilteil. Trash-Kino-Ikone und Dauer-Bösewicht Danny Trejo trifft auf Model-Schönheit Edita Vilkeviciute und Weber ersinnt, wie nur er es kann, eine fast fotojournalistische Geschichte einer Beziehung in “Please Don’t Tell Me How The Story Ends – Danny & Edita”. Das atmet so sehr und sieht so real aus, dass man kurzzeitig meint, man hätte in der Klatschpresse etwas überlesen. Doch wer Webers Arbeit kennt, der weiß, dass hier ein Meister der Inszenierung am Werk ist. Jemand, der es gerne menscheln lässt. Jemand, bei dem man den Eindruck gewinnt, irgendwie seien alle miteinander vertraut. Und so haben wir hier eine Mischung aus Mode-Feature und privaten Portraits, ergänzt um einige freizügige Aufnahmen Editas. Überaus gelungen. Mal wieder. Die gesamte Strecke gibt’s in der März-Ausgabe von M Le Monde. Webers Website ist folgende: www.bruceweber.com.

Erik Madigan Heck . Guinevere Van Seenus . MUSE //

Wie gemalt, in kräftigen, bestechenden, ja fast surrealen Farbtönen erscheint hier das US-amerikanische Model Guinevere Van Seenus. Ihr und ihrer Kollegin Malgosia Bela ist die frisch erschienene Frühjahrsausgabe des italienischen Modemagazins MUSE gewidmet. Ein Tribut an eine lange und erfolgreiche Karriere, die freilich nicht zu Ende ist. Zwei Frauen, zwei Gesichter und Körper, die Modemacher wie Fotografen seit jeher inspiriert haben. Van Seenus gilt beispielsweise als Muse Paolo Roversis. Doch hier wurde sie von einem anderen inszeniert, der es meisterhaft versteht, Mode und Kunst zusammenzuführen: Erik Madigan Heck. Der US-Amerikaner faszinierte mich schon vor einiger Zeit und veranlasste einen Beitrag im Fundbureau (siehe hier). Textur, Komposition und Stilistik sind stets aufs Feinste abgestimmt und erinnern zuweilen eher an Malerei denn an Fotografie und machen seine Arbeit außergewöhnlich. Auch in dieser Serie “Portrait of a Lady” gibt es solche Aufnahmen, die ich als museumswürdig bezeichnen würde, so ästhetisch und gelungen empfinde ich sie. Und allein wegen dieser Aufnahmen lohnt der Erwerb der neuen MUSE-Ausgabe. Aber wer zugreift, bekommt noch mehr geboten – natürlich. Etliche Fotografinnen und Fotografen wie Venetia Scott oder Jeff Bark liefern eigene Interpretationen der beiden Model-Ikonen. Jeweils sehenswert, jeweils ganz anders. Mehr Infos zu Erik Madigan Heck erhaltet ihr hier: www.maisondesprit.com.

Tyrone Lebon . “Paradise City” . Vogue UK //

Und Tyrone Lebon zum Zweiten – hier für die März-Ausgabe der Vogue UK. Was mich an diesen Editorial-Seiten abholt, sind nicht nur die Aufnahmen, sondern vielmehr die Präsentation dieser Aufnahmen, namentlich das Layout. Zu selten überdenkt man, dass auch Fotografie kaum für sich alleine steht, immer im Zusammenhang wahrgenommen wird. Noch seltener gibt es die eine Aufnahme, die so perfekt ist, so viel erzählen kann, dass sie Beiwerk nicht braucht. Diese eine Aufnahme könnte vermutlich im Museum hängen, da sie die Eigenständigkeit eines Gemäldes hätte. Oft jedoch sind Aufnahmen seriell und erzählen erst dadurch ihre Geschichte. Geschichten kann man bekanntlich so oder so, jedenfalls äußerst unterschiedlich erzählen. Und die Erzählweise hat am Ende Einfluss auf die Rezeption beim Leser, hier also beim Betrachter. Sie kann unterstützen oder bewusst kontrastieren. Will man nun die Geschichte einer ausgelassenen Partynacht zweier junger Frauen erzählen, mit den Mitteln der Fotografie, was wäre passender als im Layout schließlich all jene Momente zusammenzubringen, die nur zusammen eins sind. Das Gefühl dieser Nacht schwingt allein durch Verteilung der Aufnahmen, durch die Collage großer und vieler kleiner Szenen, die den genaueren Blick fordern, mit. Warum dieser Exkurs? Nun ja, ich finde, ungewöhnliche Layouts, mutige Layouts, der zum Teil spielerische Umgang mit Fotos, stiehlt diesen nicht die Show, im Gegenteil, er ermöglicht die Show erst. Es gibt andere Fälle, es gibt Ausnahmen. Aber eine ganze Reihe spannender Fotografen geht diesen Weg. Und das finde ich super. Auch Tyrone Lebon frelich. Seine URL ist folgende: www.tyronelebon.com.

Tyrone Lebon . “Photosynthesis” . Garage Magazine //

Die Fotografien des in London lebenden Tyrone Lebon sind zugegebenermaßen oft recht speziell, aber deswegen natürlich nicht weniger spannend. Im Gegenteil. Wer mit 18 Jahren seinen ersten Film dreht, der dann auf MTV ausgestrahlt wird, und ein Jahr später seine erste Veröffentlichung im britischen i-D Magazine feiern darf, der muss mit Talent und großer Kreativität gesegnet sein. Und er muss gegen den Strich arbeiten, jedenfalls zum Teil.

Schwer zu sagen, warum Lebons Art, Fotos zu komponieren – weil Komponieren trifft’s genau – so interessant ist. Vermutlich liegt es daran, dass er sich zwischen Kunst und Kommerz bewegt. Dass seine Bildwelten die ihm eigenen sind. Und dabei geht es weniger um Natürlichkeit als mehr um Ideen und die visuelle Sprache. Auch um Statements. Das kann provokativ sein oder erotisch, manchmal auch entgegen der Sehgewohnheiten der Masse, doch immer mit Anspruch und Sinn für Ästhetik und Schönheit. Hier in dieser Serie namens “Photosynthesis” mag man spekulieren, was all diese Inszenierungen tatsächlich mit dem Photosynthese-Prozess der Pflanzen zu tun haben, selbst wenn eine Darstellung, die an Biologie-Fachliteratur erinnert, die erste Seite ziert. Doch genau damit ist Lebon punktgenau, wo das Avantgarde-Magazin Garage ansetzt, in dessen aktueller Frühjahr/Sommer-Ausgabe die Serie erscheint: an der Schnittstelle von Mode, Kultur und Kunst.

Die Website von Garage kündet von baldiger Ankunft, man darf also gespannt sein: www.garagemag.com. Und Tyrone Lebon findet ihr hier: www.tyronelebon.com.

Drew Jarrett . Cara Delevingne . LOVE Magazine //

Es gibt Zeiten, da passiert für gewöhnlich nicht allzu viel. Und dann gibt es solche, da passiert soviel, dass man kaum weiß, was man hier zuerst präsentieren soll. Derzeit erscheinen wieder die Frühjahr/Sommer-Ausgaben aller namhaften Magazine im Modebereich. Und zu entdecken, ist wieder reichlich Interessantes. Daher zeige ich heute und demnächst an dieser Stelle einige meiner Meinung nach bemerkenswerte Arbeiten aus diesen Ausgaben.

Los geht’s mit einer Serie, die nur am Rande das Prädikat Mode trägt. Zumindest ist eine Person involviert, die im Modebereich in jüngster Zeit prägend war: It-Model Cara Delevingne. Fotograf Drew Jarrett wählt einen Ansatz, der mehr auf die Persönlichkeit einzahlt. Mir war der Name des in England geborenen und mittlerweile in New York lebenden Jarrett bislang kein Begriff, aber ein Blick in sein Portfolio hat mich sogleich zum Fan gemacht. Die Bandbreite seiner fotografischen Tätigkeit ist groß: von Mode über Portrait und Reportage bis hin zu Kunst. Dabei verleiht er seinen Bildern immer etwas Kinematisches. Nicht überraschen dürfte dementsprechend, dass Jarrett auch als Filmemacher aktiv ist. Hier beeinflusst das eine das andere. Viele seiner Bilder bestechen durch natürliche Schönheit, unterstützt durch analoges Korn und den Verzicht auf künstliches Licht. Mir persönlich liegt diese Ästhetik sehr. Erschienen ist diese kleine Serie übrigens in der frischen Ausgabe der britischen Modebibel LOVE Magazine. Neben gaaanz vielen anderen tollen Editorials freilich. Vielleicht gibt’s demnächst noch eines hier im Fundbureau, das von Tim Walker beispielsweise.

Mehr von Drew Jarrett kann man hier sehen: www.drewjarrett.com.