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Thema Heimat . Sune Czajkowski //

Der Begriff “Heimat” ist ein sehr interessanter. Inflationär gebraucht, steht er für etwas, das sich nur schwer allgemeingültig definieren lässt. Bei mir schleichen sich häufiger Gedanken ein hinsichtlich dessen, wie einen jeden seine Heimat prägt, auch im kreativen Schaffen. Und Heimat meint freilich nicht Herkunft, sprich aus welchem sozialen Milieu wer stammt, welche Religion oder welches Einkommen vorhanden ist. Nun gibt es geborene Kosmopoliten, aufgewachsen zwischen Paris und New York, in Südafrika zur Schule gegangen, in England studiert – was mag deren Heimat sein? Wie definiert sich deren Heimat? Bestimmt nicht nur über einen Ort, vermutlich eher über ein Gefühl, Gegenstände, Familie. Wo man sich selbst am wohlsten fühlte. Genau sagen kann ich’s nicht, dafür fehlt mir die Einsicht. Bei mir ist Heimat die Mischung aus einem Ort, einer Landschaft und den Menschen, die dort leben. Auch Familie. Ein “Hier komme ich her”. Und ich kann nicht leugnen, dass dieses Herkommen einen gewissen Einfluss hat auf das, was ich gut finde, was ich stilistisch bevorzuge und was ich kreativ erschaffe. Es gibt Plätze auf dieser Welt, die zwar spannend und faszinierend sind, die aber niemals meine temporäre Heimat werden könnten. Temporäre Heimat? Ja, ich denke, dass es zwei “Heimaten” gibt: die seiner Kindheit und Jugend und die des aktuellen Lebensmittelpunkts, die temporäre, die sich ändern kann, während die andere immer gleich bleibt. Obwohl man häufig nach der Schule seine erste Heimat verlässt, sie womöglich nicht mehr sehen, riechen, ausstehen kann, um in die weite Welt zu ziehen, so wird die neue, zweite Heimat diese wahrscheinlich nie komplett ersetzen können. Sie wird sich bestmöglich annähern oder nur zweckhaft sein. Nicht wenige Menschen behaupten “sie hätten sich nie richtig eingelebt, es wäre nie ihre Heimat geworden” – ein stückweit Enttäuschung schwingt da mit, die Hoffnung, irgendwann etwas zu finden, das einer Heimat würdig ist. Warum diese teilphilosophischen Überlegungen? Nun ja, besonders für kreativ tätige Menschen, denke ich, ist es entscheidend, wie sie sich wo fühlen. Und nicht wenige werden von ihrer Heimat entscheidend geprägt. So ist es nicht verwunderlich, dass z.B. ein Peter Lindbergh nach wie vor eine Liebe zu Fabrikhallen als Kulisse hat, waren diese doch in seiner Kindheit im Ruhrpott omnipräsent. Nun lebt er seit langem in Paris, eine scheinbar perfekte zweite Heimat, die er für sich gefunden hat.

So wie die Schweiz für ihre Uhrmacherkunst weltweit geschätzt wird, so wird es Skandinavien für Design und Ästhetik. Das Klare, Schlichte, Reduzierte und Funktionale wird damit verbunden. In der Fotografie gilt dies wie im Möbeldesign. Auch hier spielt die Heimat eine wichtige Rolle in Bezug auf Erwartungen. Umso spannender wird es, wenn ein in Kopenhagen geborener Fotograf zwischen Dänemark und West-Afrika aufwuchs und seine neue Heimat in Paris gefunden hat. So geschehen bei Sune Czajkowski. Er kombiniert nordische Werte mit französischer Eleganz. Und herauskommen wunderbare Bilder. Mehr zu sehen gibt es hier: www.kowski.dk

Es ist immer gut, seine Wurzeln zu kennen, zu wissen, wo seine Heimat liegt, auch wenn entsprechende Einflüsse eher subtil sein mögen. Aber die Frage nach der Bedeutung von Heimat im kreativen Schaffen finde ich nach wie vor eine lohnenswerte. Eine allgemeine Antwort wird es nie geben. Die muss jeder für sich persönlich finden!

  1. e-mannka hat diesen Eintrag von larsfundbureau gerebloggt
  2. von larsfundbureau gepostet